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Die Ausstellungseröffnung ist am 25. Februar 2007 und ist bis Ostern 2007 zu sehen.

Öffnungszeiten : Sonntags von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 06048-3005


" Was du dem Geringsten unter meinen Brüdern getan hast, das hast du mir getan "
"

 Eine Kreuzwegmeditation


mit Bildern von Monika Jenjahn und Texten von Hartlieb W.Bautor


JenjahnDas Gedächtnis des Kreuzweges Jesu diente oft vielen Menschen zur Verinnerlichung der eigenen Ohnmacht gegenüber den Leiden inder Welt und zur Pflege einer «Das-alles-musst-du-halt-erdulden-Mentalität». Es ist zu hoffen, dass durch die Betrachtung des vorliegenden Kreuzweges, die Betrachter sich darauf besinnen, dass sie unterwegs sind im Geiste eines Auferstandenen, unter uns Lebendigen, unterwegs mit dem Ziel, in seinem Geist und aus seiner Kraft dem Schmerz, dem Leiden und dem Tod und allem lebensfeindlichen den Kampf anzusagen.
Die Kreuzwegmeditation von Monika Jenjahn und Hartlieb W. Bautor versucht eine methodische Erschließung, die abweicht von den traditionellen Kreuzwegen mit ihrer häufig illustrierenden Darstellungen. Die Bilder beschränken sich daher nicht auf die inhaltliche Wiedergabe der einzelnen Stationen, sondern geben schon im Ansatz eine Transformation, bei der der Gegenstand auf dem Weg in der künstlerischen Phantasie sich so umsetzt, dass Bilder und Texte der persönlichen künstlerischen Individualität folgen. Die Textinterpretationen fragen nach dem, was der Betrachter, im Angesicht des Kreuzweges, des Passion Jesu, noch in der Lage ist wahrzunehmen.

Die Texte fragen, in der Nachfolge des Auferstandenen, nach den Aufgaben der Christen in einer  Welt, die in zunehmendem Maße verweltlicht.

Somit bekommt die Kreuzwegmeditation von Monika Jenjahn und Hartlieb W. Bautor eine veränderte Denkrichtung. Nicht nur das, was geschehen ist steht im Vordergrund, sondern das, was der Betrachter aus dem, was geschehen ist für Folgerungen zieht. Es stehen daher die Beschreibungen der Stationen des Leidensweges wie ein Bindeglied zwischen den Bildern von Monika Jenjahn und den Texten von Hartlieb W.Bautor
So kann der Kreuzweg von dem Betrachter auf verschiedene Weisen auf- und wahrgenommen werden. Erstens als eine Begehung der Kreuzwegstationen von 1 – 15, wie sie heute noch üblich sind. Zweitens kann sich der Betrachter auf die Stationsinhalte und die interpretierenden weiterführenden Bilder einlassen. Drittens kann der Betrachter auch die Stationsinhalte mit den Texten in Beziehung setzen und zu Anregungen, Schlussfolgerungen oder Ablehnungen kommen. Zuletzt, und das wäre die Absicht und der Wunsch der Autoren, ist eine Verbindung von Stationsinhalten, Bildern und Texten möglich.
Die grundlegende Idee wurde in Naumburg geboren. Wieder in einem Landstrich, der zwar durch seinen Dom bekannt, aber doch im Gebiet der „neuen Bundesländer liegt. An einem abgewickelten Fabrikgebäude stand, mehrfach überschrieben und mit Sicherheit noch aus Tagen des „realexistierenden Sozialismus“ stammend:


Mauer

" Was du dem Geringsten unter meinen Brüdern getan hast, das hast du mir getan "

 

Die Idee war geboren.
Was wir hätten für Jesus tun können, können wir nur an ihm vollziehen,wenn wir es unserem Nächsten tun. So sollten die herkömmlichen Kreuzwegstationen umgearbeitet werden. Die Bilder von Monika Jenjahn boten die beste Grundlage für diese Idee.


Station 1

Kann man als Protestant den Kreuzweg gehen?
Kann man als Protestant den Kreuzweg verstehen?
Welche Fragezeichen stehen dieser frommen Übung gegenüber ?


Fehlt doch Protestanten jede Emotionalität, jede Beziehung, jede Kontinuität, vielleicht auch jedes Verständnis den Kreuzweg zu gehen.

Und doch begab es sich, in den frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, dass ich in Görlitz in der Oberlausitz den Kreuzweg gegangen bin. Damals lag Görlitz noch in der DDR, einem durch und durch atheistischen Staat, mit all den Ressentiments gegenüber dem christlichen Glauben und gegenüber den Menschen, die ihren Glauben praktizieren wollten.
Es gab aber auch Menschen, die in diesem totalitären Staat trotzdem zu ihrem Glauben standen: Der Beginn der Wende, die zur Vereinigung beider deutscher Staaten geführt hat, ist in dem Bekenntnis vieler Menschen zur christlichen Tradition zu sehen.
In Görlitz hat die Begehung des Kreuzweges auf protestantischer Seite eine lange, geschichtlich motivierte Tradition.
Zu Beginn der achtziger Jahre wurde in Görlitz diese Tradition wieder aufgenommen. Wir, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, die in den Osterferien eine Einladung von Mitgliedern der Partnerkirche und eine Aufenthaltsgenehmigung der Behörden der DDR bekommen hatten, konnten an diesem protestantischen Kreuzweg teilnehmen.
Wie man unter den Augen der Stasi den Kreuzweg geht war für uns als Westbürger wahrscheinlich weniger wichtig als für die Christen der DDR. Doch es war schon ein sonderbares Erlebnis unter den neugierigen Augen der Ignoranten und auch der Atheisten diesen Kreuzweg in Görlitz zu gehen. Das Schweigen der staunend und vielleicht irritiert zusehenden Menschen konnten uns an die Via Dolerosa erinnern lassen. Das Scharren der Schuhe der Kreuzweg-Gehenden auf den Gehwegplatten, der Staub der aufgewirbelt wurde, versetze uns in eine kontemplative Meditation, die nur wenig entfernt zu sein schien von den Kreuzweg-Begehungen in Palästina.
Von der Verurteilung Jesu durch den Vertreter der politischen Macht bis hin zur Grabeskapelle war es ein Gang durch die Geschichte aber auch ein Gang der christlichen Überzeugung gegenüber den Machthabern in der DDR. So empfanden wir es.

Waren es doch Bilder aus einer Zeit, die nicht das Vergangene abbildeten. Es waren Bilder, die Fragen zu beantworten schienen, die schon bei anderen vorösterlichen Besuchen in Görlitz aufgetaucht waren.
Die Menschen, die uns neugierig zuschauten, waren Menschen des 20. Jahrhunderts. Es fuhren Autos und Straßenbahnen, und doch hatten wir den Eindruck, dass Jesus selbst mit uns auf diesem Weg gehen würde.

Der Gedanke die Kreuzwegstationen mit heutigen Bilden zu belegen hatten bei Monika Jenjahn Gestalt gewonnen. Es war es nicht immer einfach, traditionelle Bilder in die heutige Zeit zu übertragen. So sind in katholischen Kirchen häufig nicht einmal mehr die Bilder der Stationen vorhanden, sondern nur noch die Stationsnummern.
Wieweit mag ein heutiger Katholik sich an diesen Nummern orientieren?

Wie viel schwieriger mag es da ein Protestant haben, der mit der Tradition des Kreuzweges nicht oder kaum vertraut ist.

Für ihn sollte der Kreuzweg neu erschlossen werden, aber in seiner Intention so gut wie nicht verändert werden.

Die Bilder von Monika Jenjahn holten nach vielen Jahren in uns die Erinnerung an den Görlitzer Kreuzweg wieder hervor und damit gleichzeitig auch der Wunsch, den Kreuzweg für Protestanten zu erschließen.
Gemeinsam wurden Überlegungen angestellt, wie Bilder und Texte zu einer neuen, dem Kreuzweg in der heutigen Lebenssituation der Menschen gerecht werdenden Weise dargestellt werden können.